Das Wichtigste in Kürze
- Overledger ist ein API-Gateway mit Orchestrierungsschicht, keine Blockchain. Es hat keinen Konsensmechanismus und keine eigene Chain; QNT selbst liegt als ERC-20-Token auf Ethereum.
- Angekündigt am 7. Dezember 2017, Version 2.0 im April 2021, seit Juni 2023 als gehostete Overledger Platform verfügbar, ergänzt im Oktober 2023 um den Signaturdienst Authorise.
- Der Stack von 2026 besteht aus drei Teilen: Overledger verbindet, QuantNet wickelt ab, und Fusion (ein „Layer 2.5“-Rollup, Mainnet seit 2. Juni 2026) führt Multi-Ledger-Logik mit vereinheitlichten Token aus.
- Echte Einsätze: der britische Pilot für tokenisierte Pfund-Einlagen (Live-Kundentransaktionen im September 2026), The Clearing House in den USA (Ziel: erstes Halbjahr 2027) und eine Integration in Murex MX.3.
- Die Kehrseite: ein vom Anbieter betriebenes, geschlossenes Gateway ohne öffentliche Audit-Berichte und ohne veröffentlichte Durchsatzzahlen.
Was Overledger ist (und was nicht)
Quant beschreibt Overledger als „API-basierte Technologie, die sich einfach in jedes bestehende System integrieren lässt, das mit APIs arbeitet“. Dieser Satz sagt im Grunde alles. Overledger ist keine neue Chain, die mit Ethereum oder dem XRP Ledger um Transaktionen konkurriert. Es ist Middleware: eine Schicht zwischen der vorhandenen Software eines Unternehmens und den Distributed Ledgern, die dieses Unternehmen nutzen möchte, und sie stellt alle über eine einheitliche REST-Schnittstelle bereit.
Das Etikett „Betriebssystem“, das Quant seit der ursprünglichen Ankündigung im Dezember 2017 verwendet, ist eine Metapher. Ein Betriebssystem verbirgt die Unterschiede der Hardware hinter einem Satz Systemaufrufe; Overledger verbirgt die Unterschiede der Ledger hinter einem Satz API-Aufrufe. Die Entwickler einer Bank programmieren einmal gegen Overledger, und das Gateway kümmert sich darum, ob eine Bitcoin-Transaktion signiert, ein Solidity-Vertrag auf Ethereum aufgerufen oder eine Zahlung auf dem XRP Ledger eingereicht werden muss.
Das ist entscheidend für jeden, der das Projekt bewerten oder mit Wettbewerbern vergleichen will. Öffentliche Interoperabilitätsprotokolle wie Chainlinks CCIP, Cosmos IBC oder LayerZero laufen on-chain und werden durch Validatoren- oder Node-Sets abgesichert. Overledger läuft als gehosteter Dienst, betrieben von Quant Network Ltd, einem privaten britischen Unternehmen. Beides ist „Interoperabilität“, das Vertrauensmodell ist jedoch grundverschieden. Die Alternativen nehmen wir auf der Seite zur Blockchain-Interoperabilität auseinander, die beiden größten Rivalen vergleichen wir in Quant vs. Chainlink und Quant vs. XRP.
Versionsgeschichte: vom Testbed zu Platform und Authorise
Overledger hat drei klar unterscheidbare Phasen durchlaufen. Die erste war die Forschungs- und Whitepaper-Phase: Das Konzept wurde am 7. Dezember 2017 angekündigt, das Whitepaper folgte im Januar 2018, der Token-Sale endete im April 2018. Das Design von 2018 beschrieb vier interne Schichten: Transaction, Messaging, Filtering & Ordering und Application. Diese Architektur ist bis heute der klarste Weg, um zu verstehen, was das Gateway intern tut, auch wenn die Marketingsprache längst weitergezogen ist.
Die zweite Phase war der Schritt in die Produktion. Overledger 1.0 kam im Juni 2020 als Testbed, Release 1.5 ging im Januar 2021 in den Live-Betrieb, und 2.0 erschien am 27. April 2021 als Vollversion. Am 13. September 2021 startete Quant das Overledger Network (Release 2.1.0), die erste Version, in der externe „Gateways“ beitreten und Datenverkehr weiterleiten konnten, zunächst für Bitcoin, Ethereum und das XRP Ledger. Release 2.1.5 im Dezember 2021 führte die in QNT zahlbare Lizenzgebühr ein, der Ursprung der Nutzenstory des Tokens. Spätere Zwischenversionen brachten das Polkadot-Mainnet (2.2.5), die Tokenise-Beta mit QRC-20-Token auf Ethereum, Polygon und XDC (2.2.9, April 2023) und eine verpflichtende Multi-Faktor-Authentifizierung (2.2.25).
Die dritte Phase ist das SaaS-Produkt. Die Overledger Platform startete am 27. Juni 2023 als gehostete Low-Code-Umgebung mit „Flows“ für Token-Ausgabe, Bridging und Smart-Contract-Aufrufe, ausdrücklich beschrieben als derselbe Stack, der im Project Rosalind von BIZ und Bank of England zum Einsatz kam. Overledger Authorise folgte am 10. Oktober 2023 und ergänzte, was Quant als Schlüsselverwaltung und Transaktionssignatur „auf Zentralbankniveau“ für Institute bezeichnet. Diese beiden Produkte sind das, was eine Bank heute kauft.
| Release | Wann | Was sich änderte |
|---|---|---|
| Overledger angekündigt | 7. Dez. 2017 | Konzept eines blockchainübergreifenden „Betriebssystems“ vorgestellt; Whitepaper im Januar 2018 |
| 1.0 / 1.5 | Jun. 2020 / Jan. 2021 | Testbed, dann erste Live-Produktionsversion |
| 2.0 | 27. Apr. 2021 | Vollversion der neu gebauten API |
| Overledger Network (2.1.0) | 13. Sep. 2021 | Gateway-Modell; Bitcoin, Ethereum und XRPL zum Start |
| 2.1.5 | Dez. 2021 | Lizenzgebühr zahlbar in QNT (100 £ pro Jahr, angekündigt am 10. Dez. 2021) |
| 2.2.5 / 2.2.9 | 2022 / Apr. 2023 | Polkadot-Mainnet; Tokenise-Beta mit QRC-20 auf Ethereum, Polygon, XDC |
| Overledger Platform | 27. Jun. 2023 | Gehostetes SaaS, Low-Code-Flows, kostenlose Testphase; Stack aus Project Rosalind |
| Overledger Authorise | 10. Okt. 2023 | Schlüsselverwaltung und Transaktionssignatur für Unternehmen |
| Fusion-Rollup-Mainnet | 2. Jun. 2026 | „Layer 2.5“-Multi-Ledger-Rollup; vereinheitlichte Token; Trusted Nodes |
Eine vollständige Unternehmenschronik, einschließlich der ISO-Arbeit, die dem Produkt vorausging, finden Sie auf der Seite zur Geschichte von Quant.
So läuft eine Transaktion durch Overledger
Am einfachsten versteht man das Gateway, wenn man eine Zahlung vom System einer Bank bis auf eine öffentliche Chain und zurück verfolgt. Die folgenden Schritte kombinieren die unter docs.overledger.dev dokumentierten API-Gruppen mit der Architektur, die Quant in seinen Release Notes beschrieben hat. Die exakte interne Reihenfolge ist nicht öffentlich; betrachten Sie das Ganze daher als zuverlässige Vereinfachung und nicht als Schaltplan.
- 1
Die Anwendung ruft einen Standard-Endpunkt auf
Ein Kundensystem (zum Beispiel eine Treasury-Plattform) sendet eine HTTPS-Anfrage an Overledger: „Übertrage X Einheiten des Assets Y von Konto A an Konto B auf Netzwerk Z“. Die Anfrage folgt dem gemeinsamen Overledger-Schema, nicht dem nativen Format der Zielchain. Die Authentifizierung erfolgt über API-Zugangsdaten und, seit Release 2.2.25, über eine verpflichtende MFA am Konto.
- 2
Overledger bereitet die ledger-spezifische Transaktion vor
Die Orchestrierungsschicht sucht den Konnektor für Netzwerk Z, holt alles, was diese Chain braucht (Nonce, Gebührenschätzung, Kontosequenz), und baut eine native, unsignierte Transaktion. Das ist die „Transaction“- und „Messaging“-Arbeit aus dem Whitepaper von 2018.
- 3
Die Transaktion wird signiert
Die Signatur erfolgt in Overledger Authorise oder in der eigenen Schlüsselinfrastruktur des Kunden. Laut der Transparenzmeldung bei Blockworks nutzt Quants Stack Hardware-Sicherheitsmodule von AWS KMS (FIPS 140-2 Level 2) und Fireblocks MPC. Der private Schlüssel muss nie in der Anwendung liegen, die die Anfrage ausgelöst hat.
- 4
Der Konnektor reicht sie beim Netzwerk ein
Das Gateway für Netzwerk Z sendet die signierte Transaktion. Auf öffentlichen Chains heißt das: Gas oder Gebühr werden im nativen Asset dieser Chain bezahlt; QNT ist nicht der Gas-Token von Ethereum oder XRPL. Nur auf Fusion ist QNT als Token für Ausführungsgebühren vorgesehen.
- 5
Der Status wird verfolgt und zurückgemeldet
Die Tracker- und Webhook-Endpunkte melden Bestätigung, Fehlschlag oder Finalität im selben gemeinsamen Format an die Anwendung zurück. Das Banksystem muss also nicht wissen, wie sich Finalität bei Bitcoin von der in einem zugangsbeschränkten Besu-Netzwerk unterscheidet.
Die wichtige Konsequenz: Die Software des Kunden enthält keinerlei kettenspezifischen Code. Ein neues Netzwerk anzubinden ist eine Konfigurationsänderung auf Quants Seite, kein Umbau auf Seiten der Bank. Die ebenso wichtige Konsequenz: Jede Transaktion läuft über Infrastruktur, die Quant betreibt, und genau daraus speist sich die unten diskutierte Zentralisierungskritik.
Ein standardbasierter Ansatz: ISO/TC 307 und ISO/TS 23516
Quants Gründer Gilbert Verdian hat 2015 die Blockchain-Normungsarbeit angestoßen, aus der ISO/TC 307 wurde, und leitet nach eigenen Angaben in Präsentationen vor WIPO und NEN dessen Arbeitsgruppe WG7 für Interoperabilität. Dieses Komitee veröffentlichte im März 2026 die ISO/TS 23516:2026, „Blockchain and DLT – Interoperability framework“. Es handelt sich um eine 24-seitige Technische Spezifikation (ISO-Seiten-ID 82098, weshalb manche Medien von „ISO 82098“ sprechen), nicht um eine vollwertige Internationale Norm. Die ISO-Komiteeseite nennt keine Leiter, die WG7-Rolle beruht also auf Selbstauskunft.
Warum ist das für das Produkt relevant? Overledgers Versprechen an Banken lautet, einem rahmenwerkartigen Ansatz zu folgen: Eine neutrale Schicht definiert, wie Ledger beschrieben, adressiert und angesprochen werden, statt für jedes Chain-Paar eine eigene Brücke zu bauen. Quants aktuelle GitHub-Organisation hostet zudem Nachrichtendefinitionen für das Secure Asset Transfer Protocol (SATP), ein IETF-Vorhaben zum Transfer von Assets zwischen Ledgern über Gateways. Ob Overledger formal nach ISO/TS 23516 zertifiziert ist, steht nirgends, wo wir es hätten prüfen können. Die ehrliche Zusammenfassung lautet daher „entworfen von Leuten, die die Norm geschrieben haben“, nicht „nach der Norm zertifiziert“.
mDApps, QRC-Token und Multi-Ledger-Token
Quants FAQ definiert eine mDApp als Anwendung, die „plattformübergreifend, Multi-DLT und nicht länger an eine einzelne Blockchain gebunden“ ist. In der Praxis heißt das: eine Anwendung, deren Logik über dieselbe API den Zustand eines Ledgers lesen und auf einem anderen schreiben kann, etwa den Saldo einer tokenisierten Einlage auf einem zugangsbeschränkten Bank-Ledger prüfen und dann eine Anleihe auf einer öffentlichen Chain abwickeln.
Die Token-Seite übernimmt QRC, Quants Familie kettenunabhängiger Smart Contracts. Es gibt drei Token-Typen: Base (fungibel), Flex (fungibel mit zusätzlichen Kontrollen) und Vari (nicht fungibel). Sie basieren auf ERC-Standards und lassen sich daher ohne Anpassung auf EVM-Chains ausrollen; die Tokenise-Funktion erzeugt sie über Low-Code-Flows. Am 3. Februar 2026 gab Quant bekannt, dass in Japan ein Patent für seinen „Multi-DLT-Token“-Ansatz erteilt wurde. Den Patenttext haben wir nicht gesehen, wir können also nicht sagen, welche Ansprüche er genau abdeckt.
An dieser Stelle beginnen sich das Versprechen an die Banken und der Wert für QNT-Halter zu trennen. Eine Bank kann über Tokenise tokenisierte Einlagen ausgeben und ihre Plattformgebühr in US-Dollar zahlen; die aktuelle FAQ sagt: „Sie können Ihre Plattformgebühr in USD zahlen oder mit QNT abonnieren“. Weder in den Mitteilungen von UK Finance noch in denen von The Clearing House steht, dass teilnehmende Banken QNT kaufen oder halten müssen. Die Tokenomics-Seite geht durch, was der Lizenzmechanismus garantiert und was nicht.
Fusion: der „Layer 2.5“ oberhalb von Overledger
Den größten Teil seiner Existenz hat Overledger Transaktionen zwischen Ledgern bewegt, aber selbst nichts ausgeführt. Fusion, angekündigt um den 26. Mai 2025 und seit dem 2. Juni 2026 im Mainnet, ändert das. Quants eigene Erläuterung beschreibt einen dreiteiligen Stack: „Overledger verbindet (Interoperabilitätsschicht); QuantNet schafft Vertrauen (programmierbares Abwicklungsnetzwerk); Fusion steuert (Multi-Ledger-Rollup-Ausführungsumgebung)“.
Technisch ist Fusion ein Optimistic Rollup, das vom OP Stack abgeleitet wurde; Quant pflegt auf GitHub einen Fork von op-geth. Die Ausführungsdaten liegen in einem zugangsbeschränkten Hyperledger-Besu-Netzwerk, und die State Roots werden auf mehreren Layer 1 statt auf einer einzigen hinterlegt. Genau das meint Quant mit „Multi-Ledger-Rollup“. Der Marketingbegriff „Layer 2.5“ signalisiert, dass Fusion zwischen einem klassischen Layer 2 (an eine Chain verankert) und den institutionellen Netzwerken liegt, die Datenschutz, KYC-geprüfte Betreiber und Kontrollen nach Rechtsraum brauchen.
Drei Designentscheidungen fallen aus Finanzsicht auf. Erstens stellen vereinheitlichte Token (uTokens wie uUSDC oder uBUIDL) ein Asset kettenübergreifend dar, ohne den klassischen Lock-and-Mint-Brückenvertrag, der Ziel der größten Hacks der Branche war. Zweitens sind Trusted Nodes KYC-verifizierte Betreiber, die wählen können, welche Rechtsräume sie bedienen; diese Betreiber sollen QNT staken, die öffentlichen Parameter (Mindestbeträge, Sperrfristen, Erträge) waren Stand November 2026 jedoch nicht veröffentlicht. Drittens fungiert Quant Network Ltd als Sequencer, womit das Unternehmen die Kontrolle über die Reihenfolge behält. Die Ökosystem-Seite stellt Fusion, QuantNet und Quant Flow als Produkte vor; die Staking-Seite erklärt, warum „QNT-Staking“ bislang überwiegend Zukunftsform ist.
- Angekündigt
- 7. Dez. 2017
- Start der Platform
- 27. Jun. 2023
- Fusion-Mainnet
- 2. Jun. 2026
- Lizenzgebühr
- 100 £ / Jahr
Konzept eines blockchainübergreifenden Betriebssystems
Gehostetes SaaS mit Low-Code-Flows
74 Netzwerke genannt (Sekundärquellen)
In QNT, angekündigt Dez. 2021; aktuelle Stufen auf Anfrage
Entwicklerzugang, Dokumentation und Preise
Der Entwickler-Hub ist docs.overledger.dev. Er gliedert die API in RPC, Deposits, Contracts, Stakes, Nodes, Networks, Flow Sessions, Flow Registry, Flow Query, Webhooks, Swaps, Withdrawals und Tracker, mit Anleitungen zum Fusion Rollup, zur Fusion Firewall und zum Staking. Ältere Hostnamen, die in Forenbeiträgen kursieren (docs.quant.network, developer.quant.network), waren bei unserer Prüfung am 2. November 2026 nicht erreichbar. Die Seite „Connectors“ beschreibt ein Self-Service-Onboarding für EVM-, Solana-, Cosmos-, SUI-, Hedera- und Aptos-Netzwerke; zugangsbeschränkte oder betreibergesteuerte Ledger wie XRPL, Stellar und Bitcoin gibt es auf Anfrage.
Auf GitHub ist die Organisation quantnetwork verifiziert und hält 15 öffentliche Repositories, die meisten SDKs (overledger-sdk-javascript-v2, overledger-sdks, die Demo-App) sind jedoch archiviert. Aktiv gepflegt werden die Spezifikation der PayScript-Sprache für Quant Flow, der op-geth-Fork hinter Fusion, die SATP-Nachrichtendefinitionen und die Dokumentationsseite. Entwickler sollten also damit rechnen, direkt gegen die REST-API zu arbeiten statt mit einem offiziellen SDK.
Einsatz bei Unternehmen: Wer es tatsächlich nutzt
Quants Referenzliste ist seit 2023 deutlich gewachsen. Der brauchbare Filter ist die Bestätigung durch die Gegenseite: Abschlüsse, die von der Bank, dem Clearinghaus oder dem Anbieter auf der anderen Seite verkündet wurden, nicht nur von Quant. Nach diesem Maßstab sind das die Einsätze mit Belegen aus Primärquellen.
Tokenisierte Pfund-Einlagen in Großbritannien (GBTD)
UK Finance wählte Quant am 26. September 2025 aus, um die Plattform für den Pilot „Great British Tokenised Deposit“ mit Barclays, HSBC UK, Lloyds, NatWest, Nationwide und Santander zu bauen; Monzo kam im Januar 2026 hinzu. Am 24. September 2026 meldete UK Finance die ersten Live-Kundentransaktionen, darunter zwei abgeschlossene Hypothekenwechsel, bei denen Gelder gesperrt und automatisch freigegeben wurden, sowie ein Kauf auf einem Online-Marktplatz. Das ist der klarste Fall, in dem Overledger echtes Geld für echte Kunden bewegt.
The Clearing House (USA)
Ebenfalls am 24. September 2026 erklärte The Clearing House, Betreiber der Zahlungssysteme RTP und CHIPS, Quant für „die Interoperabilitäts-, Orchestrierungs- und Transaktionsmanagement-Schicht“ seiner bankgeführten On-Chain Money Initiative ausgewählt zu haben; die Verfügbarkeit für teilnehmende Institute wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet. QNT verdoppelte sich auf die Nachricht annähernd im Kurs und gab den Großteil binnen Tagen wieder ab, ein Muster, das man beim Lesen von Ankündigungsschlagzeilen im Kopf behalten sollte.
Murex und frühere Arbeiten
Am 25. März 2026 gab Murex bekannt, dass Overledger und Quant Flow in MX.3, seine Kapitalmarktplattform, für tokenisierte Einlagen und die Abwicklung digitaler Anleihen eingebettet sind. Murex spricht von zehn Kunden, die MX.3 für digitale Assets nutzen, nennt aber keine Bank, die Quant über Murex einsetzt. Frühere Engagements: Infrastruktur für das Anbieterteam im Project Rosalind von BIZ und Bank of England (abgeschlossen Juni 2023), die Experimentierphase des UK Regulated Liability Network mit R3 (2024), der Interoperabilitätstest mit SIA/Nexi (2020) und LACChain in Lateinamerika (2021). Die CBDC-Seite und die Seite zu den Partnerschaften liefern Details und Einschränkungen.
Grenzen und Kritik
Eine faire Bewertung muss das Gateway-Modell ehrlich abwägen, denn seine Stärken und Schwächen sind dieselbe Designentscheidung, von zwei Seiten betrachtet.
Stärken
- Eine API für viele Ledger: kein kettenspezifischer Code in den Systemen des Kunden, genau das, was IT-Abteilungen von Banken wollen.
- Sicherheitsniveau für Unternehmen: HSM-gestützte Schlüsselverwaltung, MPC-Signatur und verpflichtende MFA, mit Authorise als eigenem Produkt.
- Von der Gegenseite bestätigte Einsätze bei UK Finance, The Clearing House und Murex statt nur selbst verkündeter Piloten.
- Normungs-Hintergrund durch ISO/TC 307 und das Interoperabilitätsrahmenwerk ISO/TS 23516.
Schwächen
- Zentralisiertes Gateway: Jede Transaktion läuft über die Infrastruktur eines einzigen privaten Unternehmens, und Quant ist zugleich der Fusion-Sequencer.
- Closed Source: Der Kern des Gateways ist nicht öffentlich, und die meisten SDK-Repositories sind archiviert.
- Kein öffentliches Sicherheits-Audit von Overledger oder Fusion auffindbar; das einzige dokumentierte Audit betrifft den QNT-Token-Vertrag.
- Keine veröffentlichten Zahlen zu Durchsatz, Volumen oder Kundenanzahl, die Adoption lässt sich also nicht unabhängig messen.
- QNT-Nachfrage ist indirekt: Gebühren können in USD gezahlt werden, und die Bankeinsätze nennen keine QNT-Pflicht.
Der Punkt Zentralisierung verdient einen Satz mehr. Für eine regulierte Bank ist ein einzelner verantwortlicher Anbieter mit Vertrag, SLAs und KYC-geprüften Betreibern kein Makel, sondern ein Vorteil; deshalb gewinnt Quant Ausschreibungen, zu denen zugangsfreie Protokolle gar nicht erst eingeladen werden. Für einen Krypto-Anleger, der hofft, dass der Token den Protokollwert einfängt, ist dieselbe Tatsache ein Problem, denn ein Gateway lässt sich austauschen oder in Dollar bepreisen. Beide Lesarten sind richtig. Unsere Quant-Bewertung wägt sie gegeneinander ab, und die Seite Was ist Quant? liefert den allgemein verständlichen Überblick, falls Sie hier zuerst gelandet sind.
Häufige Fragen
Ist Overledger eine Blockchain?
Nein. Overledger ist ein API-Gateway mit Orchestrierungsschicht, das bestehende Ledger verbindet. Es hat keinen Konsensmechanismus, keine Blöcke und keinen eigenen Coin. Quants Fusion-Rollup, gestartet im Juni 2026, führt Transaktionen aus, verankert seinen Zustand aber auf anderen Layer-1-Chains, statt eine eigenständige Blockchain zu sein.
Welche Blockchains unterstützt Overledger?
Quant veröffentlicht keine feste Marketingliste. Der Entwickler-Hub beschreibt Self-Service-Unterstützung für die Familien EVM, Solana, Cosmos, SUI, Hedera und Aptos; XRPL, Stellar und Bitcoin gibt es im Rahmen eines Projektauftrags. Historisch dokumentierte Mainnets sind Ethereum, Polygon, Avalanche C-Chain, XDC, Polkadot, Bitcoin und XRPL sowie die zugangsbeschränkten Plattformen Hyperledger Fabric, Besu und Corda. Zum Fusion-Start war von 74 Netzwerken die Rede; die aktuelle Liste liefert der Endpunkt GET /networks.
Wie wird die Overledger-API bepreist?
Belegt sind eine im Dezember 2021 angekündigte Lizenz für 100 £ pro Jahr in QNT (Sandbox kostenlos) und eine aktuelle FAQ, wonach der Vertrieb die Preise nennt und die Zahlung in USD oder als QNT-Abonnement möglich ist. Konkrete Monatsstufen auf älteren Seiten sind unbestätigt.
Müssen Banken, die Overledger nutzen, QNT kaufen?
Laut keiner Primärquelle. Die Mitteilungen von UK Finance und The Clearing House erwähnen QNT nicht, und Quants FAQ sagt, Plattformgebühren könnten in USD gezahlt werden. QNT ist ein Utility-Token, den Kunden nutzen können, und auf Fusion ist er als Gas- und Staking-Token vorgesehen; eine veröffentlichte Pflicht für Banken, ihn zu halten, gibt es nicht.
Ist Overledger Open Source?
Nein. Das Gateway selbst ist proprietär. Quants GitHub-Organisation veröffentlicht die PayScript-Spezifikation, einen von Fusion genutzten op-geth-Fork, SATP-Nachrichtendefinitionen und Dokumentation; die meisten älteren SDK-Repositories sind archiviert.
Was ist der Unterschied zwischen Overledger und Fusion?
Overledger ist die Verbindungsschicht, die über eine API auf viele Ledger lesend und schreibend zugreift. Fusion ist eine darauf aufgesetzte Rollup-Ausführungsumgebung, in der Multi-Ledger-Logik läuft, vereinheitlichte Token ausgegeben werden und KYC-geprüfte Trusted Nodes Transaktionen mit QNT als Gebühren-Token verarbeiten. Quant fasst es so zusammen: „Overledger verbindet, QuantNet schafft Vertrauen, Fusion steuert“.
Quellen und weiterführende Links
- Quant Network FAQ (Overledger, mDApps, Gebühren) quant.network
- Nasdaq: Quant Network stellt Overledger vor (7. Dez. 2017) nasdaq.com
- Quant: Start des Overledger Network quant.network
- Quant: Start der Overledger Platform (27. Jun. 2023) quant.network
- Quant: Pressemitteilung zu Overledger Authorise (10. Okt. 2023) quant.network
- Quant: Einführung der Overledger-Lizenzgebühr (10. Dez. 2021) quant.network
- Quant: So funktioniert Quant Fusion (16. Jun. 2026) quant.network
- Overledger-Entwickler-Hub (API-Gruppen, Konnektoren) docs.overledger.dev
- GitHub: Organisation quantnetwork github.com
- ISO/TS 23516:2026 Blockchain and DLT – Interoperability framework iso.org
- UK Finance: erste Live-Transaktionen mit tokenisierten Pfund-Einlagen ukfinance.org.uk
- The Clearing House: Partnerschaft mit Quant (24. Sep. 2026) theclearinghouse.org
- Blockworks Token Transparency Filing: Quant blockworks.com